missing-people e.V. - offizielles Forum / official Board :: Thema anzeigen - Neues Buch von J. Haslinger, der den Tsunami überlebte
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padvemi
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BeitragVerfasst: So 21st Jan 00:12  Titel:  Neues Buch von J. Haslinger, der den Tsunami überlebte Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Buch-Neuerscheinungen von Haslinger bis Schutting

Der österreichische Schriftsteller Josef Haslinger veröffentlicht unter dem Titel "Phi Phi Island. Ein Bericht" seinen Augenzeugenbericht zur Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004. Haslinger, der mit seiner Familie im Thailand-Urlaub von der Flutwelle überrascht wurde und nur mit Glück überlebte, hat sich darin seine Erlebnisse von der Seele geschrieben. Im Vorfeld wollte er zu seinem bei S. Fischer erscheinenden Buch keine Auskunft geben, also muss man sich bis Ende März gedulden. In der Verlagsankündigung wird er dazu mit vier kurzen Sätzen zitiert: "ein paar Monate lang war ich ziemlich sicher, dass ich dieses Buch nicht schreiben würde. Schon deshalb nicht, weil ich oft danach gefragt wurde. Du arbeitest doch nicht etwa an einem Tsunami-Buch? Nein, keine Angst."

Auszug/ Quelle: Der Standard

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padvemi
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BeitragVerfasst: Di 6th Feb 12:14  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Nominiertenliste für den Preis der Leipziger Buchmesse 2007

Die Leipziger Buchmesse gibt die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse bekannt: Juryvorsitzender Martin Lüdke (SWR) zu den Nominierungen: „Wegen der vielen Einsendungen war die Jury-Arbeit in diesem Jahr sehr schwer, aber auch sehr befriedigend. Wir haben nicht nur einiges gelernt, sondern auch viel Freude gehabt.“

In der Sparte Sachbuch/Essayistik wurde Josef Haslinger mit seinem Tsunamierlebnisbuch nominiert. Mehr dazu hier

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BeitragVerfasst: Sa 10th Feb 12:50  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hi Pad,

auf dieses Buch haben wir(meine Mutter +ich) gewartet.
Er hatte damals eine Kurzfassung in der Morgenpost /Tagesspiegel? über seine Erlebnisse geschrieben.
Erst neulich sprachen wir darüber,falls ein Buch rauskommen würde, wir es uns auf jedefall holen werden.

Na ja irgendwie muß ich alles aufsaugen was von Koh Phi Phi kommt.
Auch eine Form der Verarbeitung Crying or Very sad
So LG Claudia


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BeitragVerfasst: Sa 10th Feb 18:06  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hi Claudi,

ja, das Buch interessiert mich aus bekannten Gründen auch sehr. Übrigens habe ich auf dem PC auch einen sehr langen Erlebnisbericht eines Mannes auf Phi Phi, der z.T. recht heftig ist. Musst du entscheiden, ob Du ihn haben willst.

Liebe Grüße Padi

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BeitragVerfasst: Do 15th Feb 21:30  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hi Pad,

ja ja ja will ich haben. Laughing
Ok, es wäre nett wenn du es mir ziehen könntest?
Na wir sehen uns doch in FfM?!
Danke
LG
Claudia


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BeitragVerfasst: Do 15th Feb 22:07  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Jo bereits erledigt...

Bis bald liebe Grüße Padi

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padvemi
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BeitragVerfasst: Do 15th März 11:38  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Josef Haslinger's Bericht über die Tsunami-Katastrophe

Der Schriftsteller Josef Haslinger und seine Familie überlebten 2004 die Tsunami-Katastrophe auf Phi Phi Island. Weihnachten ist Hochsaison in Thailand, Indonesien, auf den Maldediven. Am 26. Dezember 2004 löste ein Seebeben vor der indonesischen Insel Sumatra eine gigantische Flutwelle aus. Hunderttausende Menschen wurden getötet und verletzt, viele gelten nach wie vor als vermisst. Die Lebensgrundlage vieler anderer wurde zerstört.

Der Tsunami machte auch das thailändische Inselparadies Phi Phi unbewohnbar. Die Inseln waren ein Magnet für Kletterer, Taucher und Partytiger . Der Aussteigerfilm "The Beach" mit Leonardo di Caprio wurde dort gedreht. Zwei Jahre nach der Katastrophe hoffen die dortigen Touristiker auf die Rückkehr der Urlauber.

"ein paar monate lang war ich ziemlich sicher, dass ich dieses buch nicht schreiben würde. schon deshalb nicht, weil ich oft danach gefragt wurde: du arbeitest doch nicht etwa an einem tsunami-buch? - nein, keine angst", schreibt Josef Haslinger am Beginn seines Buches. (Die neue Kleinschreibung beim prominenten österreichischen Autor erklärt sich später im Buch. Die Verletzung der linken Hand verheilte schlecht.)

Authentische Literatur

Haslinger versuchte vergeblich, das traumatische Erlebnis auf fiktive Figuren zu übertragen. Also doch ein Augenzeugenbericht. Und in diesem Fall, wie er in einem Interview sagte, war Schreiben auch Therapie. Ein Jahr nach dem Tsunami kehrte Haslinger mit seiner Frau Edith zurück auf Phi Phi.

Sein Text zeigt, wie authentisch Literatur sein kann. Haslinger recherchiert, verfolgt das Schicksal von Mitreisenden und dem Hotelpersonal, ist sachlich, verbirgt aber seine Betroffenheit nicht. Bei der Überfahrt auf Phi Phi Island filmt Haslinger noch die Passagiere, ein schlafender Mann ist zwei Tage später tot. Er schildert, wie schwer anfänglich die Gefahr des herankommenden Wassers einzuschätzen war, wie plötzlich die gesamte Familie von ihren Bungalows loslief.

Die Kinder, Elias und Sophie, lässt Haslinger selbst zu Wort kommen. Sophie konnte noch über ein Geländer hochklettern, Elias sich irgendwo an der Hotelfassade festhalten und ein Kind retten. Durch ein Wunder brachten sich alle vier Familienmitglieder auf einem Hoteldach in Sicherheit. Niemand der Überlebenden wusste, wie viele Wellen noch kommen würden. Eine Helferin nannte sie später, nach einer Erstversorgung im Krankenhaus in Krabi "refugees", Flüchtlinge.

Haslinger in Innsbruck

Es folgen Monate im Internet. Emine, eine Bekannte von der Reise, war bis August 2005 als vermisst gemeldet. Dann die Nachricht. Sie hat überlebt.

Am Freitag, 16. März, ist Josef Haslinger zu Gast im Literaturhaus am Inn. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Innsbrucker Literaturtreffs trifft er eine Wahl aus Texten der vergangenen zehn Jahre. Aus seinem Bericht "Phi Phi Island" liest Haslinger nicht.

Quelle: Tirol.com

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BeitragVerfasst: Mo 19th März 21:54  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Wie Haslinger dem Tsunami entkam
Der Schriftsteller Josef Haslinger berichtet, wie er und seine Familie die Katastrophe auf der thailändischen Insel Phi Phi Island überlebten. Er beschreibt das bittere Glück des Überlebens und den Moment, als er glaubte, sterben zu müssen.

Der Ton eines Buches wird in den ersten Zeilen entschieden. Josef Haslingers Bericht über den Tsunami beginnt so: "ein paar monate war ich ziemlich sicher, dass ich dieses buch nicht schreiben würde. schon deshalb nicht, weil ich oft danach gefragt wurde: du arbeitest doch nicht etwa an einem tsunami-buch? - nein, keine angst." Für ihn waren solche Fragen unangenehm. Einerseits wollte er über das Erlebte schreiben, andererseits wollte er es nicht; es saß in ihm fest wie "ein tief sitzender Knoten, der sich nicht lösen ließ".

Der Österreicher, der 1995 mit seinem Katastrophenbuch "Opernball" bekannt wurde und für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist, verbrachte Weihnachten 2004 auf der thailändischen Insel Phi Phi Island und entkam mit seiner Ehefrau und den beiden 18-jährigen Kindern den todbringenden Wellen des Tsunami nur knapp. 230.000 Menschen starben. Auf den Phi Phi Island wurden 850 Leichen geborgen, 1300 blieben im Meer.
Der bittere Geschmack des Überlebens-Glücks
Eigentlich gehören Josef Haslinger und seine Familie zu den glücklichen Überlebenden, denn sie sind durchgekommen. Ein Glücksbuch hat er nicht geschrieben, vielmehr erzählt er vom bitteren Geschmack des Glücks: "man kann es sich immer wieder sagen, welches glück man hatte, es kommt darüber keine genugtuung auf. es ist vor allem eine erinnerung an den schrecken."
Die Familie will über Weihnachten ausspannen, beide Kinder stehen kurz vor dem Abitur. Josef Haslinger und seine Frau Edith sind nicht sicher, ob die Kinder danach überhaupt noch Lust haben, mit den Eltern in den Urlaub zu fahren. Die beiden gemieteten Bungalows stehen direkt am Strand, inmitten eines Resorts, von dem am Morgen danach nur noch Verwaltungsgebäude, Swimmingpool und das Dach des Speisepavillons übrig sind. Alle einhundertzehn Bungalows werden verschwunden sein.
Der Moment unter Wasser
Am Morgen des Unglücks denken Haslingers gerade darüber nach, den Tag mit einem Ausflug zu verbringen, als schreiende Menschen in Panik über den Strand laufen. Haslinger sieht seine Tochter auf dem benachbarten Balkon stehen und ruft ihr zu: "kommt schnell, wir müssen rennen." Erst danach sieht er das Wasser kommen.
Die Haslingers versuchen über eine schmale Treppe in das Verwaltungsgebäude des Hotels zu gelangen. Aber das Gedränge ist zu dicht, und in dem Augenblick, in dem Josef Haslinger die Hand seiner Frau ergreift, kommt die erste große Welle und reißt alle mit sich fort. Haslinger schreibt, dass es unter Wasser einen Moment gegeben habe, an dem er sicher war, es nicht zu schaffen: "diese erkenntnis kam zwar schockartig, aber ihr folgte keine verzweiflung. es war eher eine art bedauern darüber, dass ich nicht anders sterben darf, sondern hier im dreck verrecken muss."

Normalerweise sind deutschsprachige Autoren nicht gerade bekannt dafür, dass sie literarische Reportagen verfassen. Die meisten von ihnen verlassen den heimischen Schreibtisch nur allzu ungern. Haslinger hingegen reiht sich mit seinem literarischen Tatsachenbericht an die Seite großer amerikanischer Schriftsteller-Reporter. Auf beeindruckende Weise zeigt er, dass die Realität die menschliche Existenz oft brutaler und damit genauer vermisst, als viele Romanwelten es könnten.

Quelle: Die Welt

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BeitragVerfasst: Di 20th März 18:35  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Hallo Pad,
am WE hatte ich mir das Buch von herrn Haslinger gekauft.
Ich habe Sonntag und Montag gelesen.
Ich hatte viele Berichte und Blogs gelesen, was nur im entferntesten mit PhiPhi zu tun hatte.Alles sehr interessant und ergreifend aber das von Haslinger ist vom Aufbau und der Berichterstattung das Beste was ich gelesen hatte.
Wir hatten ja selbst über Wochen Daniela + Guido via Internet/Telefon gesucht. Am Anfang hatte ich mich immer gefragt:" Himmel so schwer kann es doch nicht sein jemanden auf einer kleinen Insel zu finden. Tja, wie schwierig die Situation in den betroffenen Regionen war wissen wir ja alle. Kein Wunder also das wir nichts fanden. Absolut nichts.
Erst als wir von der Kripo im März 05 bescheid bekamen..........
Meine Schwester+Schwager(in Spe)waren ja im PhiPhi-Pavilion Resort an der Lohdalam -Bucht gewesen.Wir wissen es so genau weil wir am 25.noch eine Mail von denen bekommen hatten. Durch den Bericht von Herrn Haslinger bekam ich einen ganz anderen Eindruck von dieser unfassbaren Katastrophe auf PhiPhi. Bloß die Frage wird immer bleiben....lagen Daniela +Guido etwa auch unter den Müllhaufen? Oder irgendwo im Schlamm?
Auf jedenfall sollte man dieses Buch nur lesen wenn genug Kraft da ist.
Ich hoffe Du verstehst was ich meine.
Zwischendurch nußte ich es einfach weg legen und die Nächte waren auch nicht sehr erholsam...von wegen Schlaf.
So
sei ganz lieb gegrüßt
Claudia


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BeitragVerfasst: Mi 21st März 01:28  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Liebe Claudia,

erst mal Danke für die Rückmeldung über das Buch. Mich selber interessiert es auch sehr und werde es mir nun auch zulegen nach Deinem Urteil. Auch ich habe - wie Du weißt- mich sehr für das Thema speziell in Phi Phi interessiert und auch so einiges dazu gelesen z.B. auch das Buch der Spiegelautoren und weiß daher auch sehr gut, was Du meinst, von wegen genug Kraft muss da sein, wenn man es liest. Ich hatte ja auch gerade in den ersten Wochen danach sehr viel, auch persönlichen telfonischen Kontakt zur Insel und das Chaos muss für uns alle, die wir hier waren, unvorstellbar gewesen sein.

Ganz liebe Grüße und Danke noch mal, ich war sehr gespannt, wie es ist, zumal es ja eben auch für den Preis der Leipziger Buchmesse vorgeschlagen ist. Ich hoffe, wir beide haben irgendwann auch noch mal mehr Zeit intensiver darüber zu sprechen als beim letzten Treffen....

Padi

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BeitragVerfasst: Mi 21st März 12:14  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Vom Zufall des Überlebens
Heute wird die Buchmesse eröffnet - Josef Haslinger hat ein Buch über den Tsunami geschrieben


Weihnachten 2004 verbrachte Josef Haslinger zusammen mit seiner Frau und seinen 18-jährigen Zwillingskindern auf der thailändischen Insel Phi Phi. Der Tsunami vom 26. Dezember erfasste alle vier. Sie überlebten mit knapper Not die Katastrophe. Jetzt erschien Haslingers Bericht "Phi Phi Island", er ist für den Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse nominiert. Mit dem Schriftsteller sprach Ulrich Weinzierl.
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Berliner Morgenpost: Herr Haslinger, seit einiger Zeit verwenden Sie durchgehend Kleinschreibung. Sie nennen das einen "bescheidenen persönlichen Beitrag zur deutschen Rechtschreibreform".

Josef Haslinger: Wenn ich Ihnen meine linke Hand zeige, werden Sie sehen, dass hier ein Haken wegsteht. Das ist einmal der kleine Finger gewesen, der lässt sich nicht mehr strecken. Die Sehnen waren mehrfach durchtrennt, nun sind sie völlig verwachsen. Die Operation und ein Dreivierteljahr Physiotherapie haben nichts genützt. Man kann seinen Einkaufssack dranhängen, mehr ist damit nicht anzufangen. Das hat meinen Schreibfluss auf dem Computer erheblich behindert, mit der konsequenten Kleinschreibung geht es viel leichter.

Sind Sie ein Gezeichneter des Tsunami?


Vor allem innerlich, auch jetzt noch, zwei Jahre danach. Meine Kinder und meine Frau sind es auch. Keine Ahnung, wie das in zehn, zwanzig Jahren sein wird.

Ein Jahr nach dem Tsunami waren Sie wieder in Thailand. Eine Recherche oder der Versuch der Traumabewältigung?

Ich bin das populärfreudianisch angegangen und zog los, um den Stier bei den Hörnern zu packen. Bevor die Erinnerung mit privaten Mythisierungen überladen ist, wollte ich am Ort des Geschehens lieber Nachschau halten und herausfinden, warum wir noch am Leben sind.

Sie wären auch ohne Buchplan hingefahren?

Ja, aber dann hatte ich mich entschlossen, doch darüber zu schreiben, weil ich die Geschichte nicht loswurde und der Meinung war, es würde durch das Schreiben leichter fallen, damit zurechtzukommen.

Ging es Ihnen unmittelbar danach besser?

Eigentlich nicht. Meine Albträume haben erst begonnen, als ich mich ein Jahr später in die Sache hineinbegeben habe. Letztlich war es aber wohl ganz gut, dass ich für das Erlebte eine Sprache gefunden habe und damit einen Platz im eigenen Leben, der einigermaßen solide recherchiert ist und auf den ich schön langsam auch Bezug nehmen kann, ohne dass es mir die Tränen in die Augen drückt, was lange der Fall war.

Also hat Ihnen der Schreibprozess tatsächlich geholfen?

Ich habe das Buch vor allem für mich selbst geschrieben. Und auch für meine Frau und meine Kinder. Mit ihnen habe ich viel darüber geredet und auch alles Geschriebene zur Kontrolle von ihnen lesen lassen. Ich wollte, dass jedes Detail stimmt, weil ich manches in falscher Erinnerung hatte. Die Treppe, die wir hinaufflüchten wollten, als das Wasser kam, war in meiner Erinnerung ungeheuer breit, in Wirklichkeit ist es ein schmales Stieglein gewesen.

Kann man die Schreckensbilder je loswerden?

Ich weiß gar nicht, ob das das Ziel sein muss. Die Situation war lebensbedrohlich, es gibt keinen Grund, sie zu verharmlosen. Zwei Tage lang waren um uns herum Tote und Sterbende, das hat sich am tiefsten eingebrannt. Die Bilder begleiten einen. Etwas todesbewusster, zeitbewusster zu leben, ist nicht das Schlechteste. Eigentlich will ich gar nicht mehr zulassen, dass der Eindruck von der prekären Kürze des Lebens wieder verschwindet.

Haben Sie therapeutische Unterstützung benötigt?

Nein. Vielleicht kann man sich mit Literatur eben doch selber ein wenig helfen. Es ist eine Möglichkeit, eigene Erfahrungen aus sich herauszuholen und sie damit zugleich für sich selbst sichtbar zu machen.

Ist es nicht ein Wunder, dass Sie, Ihre Frau und Ihre Kinder, die allesamt von der Flutwelle erfasst wurden - sich retten konnten?

In unserem Hotel ist die Hälfte der Gäste gestorben. Statistisch gesehen sind wir also ein eher unwahrscheinlicher Fall. Von Wunder möchte ich nicht sprechen. Ich bin in einem Wunderglauben erzogen worden und habe viel Mühe aufgewendet, ihn abzulegen, dass ich nicht den nächsten Anlass nützen will, wieder zurückzukehren. Es war ein glücklicher Zufall.

Würden Sie noch öfter nach Phi Phi Island reisen?


Als ich ein Jahr danach zwei Wochen dort verbracht habe, um mit den Leuten zu sprechen, ist mir die Insel ans Herz gewachsen. Freilich könnte ich nicht mehr am Strand wohnen.

Quelle:
Berliner Morgenpost

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BeitragVerfasst: Do 22nd März 22:13  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Preise an Schulze, Friedländer und Geier
Josef Haslinger ging leer aus

Leipzig - Der Preis der Leipziger Buchmesse 2007 geht an Ingo Schulze (Belletristik), Saul Friedländer (Sachbuch/Essayistik) und Swetlana Geier (Übersetzung). Die mit je 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde am Donnerstag auf der Messe verliehen. Als einziger österreichischer Autor war Josef Haslinger mit "Phi Phi Island" in der Kategorie Sachbuch/Essayistik im Rennen um den Preis, er ging jedoch leer aus.

Schulze erhielt den Preis für seinen Roman "Handy - Dreizehn Geschichten in alter Manier" (Berlin Verlag), Friedländer für den Band "Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden 1939-1945" (Beck) und Geier für die Übersetzung von Fjodor Dostojewskijs Roman "Ein grüner Junge" (Ammann Verlag). Die Verlage hatten über 700 Titel eingereicht. (APA/dpa)

Quelle: Standard

@Claudia: ich habs mir gestern bestellt und werde es demnächst dann ind er Kur lesen Wink ...

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BeitragVerfasst: Mo 9th Apr 11:26  Titel:  (Kein Titel) Antworten mit ZitatNach untenNach oben

Rezension
Nach der Katastrophe

Josef Haslinger erzählt in "Phi Phi Island" davon, wie er und seine Familie den Tsunami überlebt haben.

Der Schriftsteller ist noch einmal davongekommen. Wüsste man nicht, dass es sich um reale Ereignisse handelt, könnte man "Phi Phi Island" für ein Drehbuch à la Haneke halten. Zumindest beginnt Josef Haslingers Erzählung über die Flutkatastrophe am 26. Dezember 2004 an der Küste Thailands so: "am 23. dezember holten wir sophie vom wiedener gymnasium ab und anschließend elias vom borg 3, einem oberstufengymnasium im bezirk landstraße, um gleich weiter zum flughafen zu fahren." Sohn Elias steht vor der Matura, das ein wenig augenzwinkernd zu feiernde Familienidyll unter Tropensonne beginnt mit Quengeleien über ein Nicht genügend in Mathematik. Bei der Ankunft geht das Gepäck kurzfristig verloren - es folgt der Strand, eine Weihnachtsfeier mit Sekt, Gespräche, wie man die kommenden zwei Wochen Erholung verbringen werde. Am nächsten Morgen werden die Haslingers von einem kaum merklichen Erdbeben geweckt. Nach dem Tsunami liegen allein auf Phi Phi Island 850 "tote körper" herum, etwa 3000 Menschen gelten als vermisst.

Haslinger erzählt die Geschichte der zufälligen Errettung seiner Familie nach einleitenden Zweifeln, ob Derartiges überhaupt literarisch verarbeitbar ist, als vordergründig direkten "Bericht". Gegenläufige, klug ineinander verschränkte Erzählstränge lassen dabei eine sehr genau dosierte Spannung entstehen. Als der Erzähler weiß, dass er nur durch die Rückkehr zum Schauplatz der Katastrophe sein Trauma (wenn überhaupt) überwinden kann, fährt er mit seiner Frau Elisabeth noch einmal nach Phi Phi Island: "nach einem jahr stehen am rand dieser dreckgrube immer noch menschen und schauen in die erinnerungen hinein."

In der Zwischenzeit hat Haslinger unzählige Fotos und Filme der Flutwelle, ihrer Zerstörungskraft und ihrer Opfer gesehen - was unmittelbar nach dem Frühstück an jenem 26. Dezember geschah, weiß er noch immer nicht. Verwunderung über das sich zurückziehende Meer, Touristen am Strand, schließlich nur Rennen ums nackte Überleben, bis die morastige Brühe über den Opfern zusammenschlägt. In knappen und präzisen Sätzen beschreibt Haslinger, wie er und seine Frau zuerst von ihren Kindern und dann voneinander getrennt werden, beide sehen sich dem Tod nah. Dabei scheut er auch vor Pathos nicht zurück: "Da standen wir mit dreckigen gesichtern, blut und dreck auch sonst überall am körper, im kopf nur einen einzigen gedanken: wir haben ein kind verloren. wir haben keine zwillinge mehr, nur noch ein einzelkind. Das zwillingsglück, auf das wir uns so viel zugute gehalten hatten, war nicht für das ganze leben gedacht." Alle vier überleben, es folgen Stunden der Angst vor einer zweiten Welle, Panik, Suche nach Überlebenden, schließlich die Rettung und Heimkehr nach Wien: Spitalsaufenthalt und Albträume.

Manche Kritiker waren so selbstgerecht, dem Buch Betroffenheitspathos und mangelndes Interesse an den Einheimischen von Phi Phi Island vorzuwerfen. Dabei könnte man gegen das Buch des Leipziger Literaturprofessors auch einen triftigeren, nämlich literarischen Vorwurf erheben: dass er immer dann, wenn die Spuren des Dramas unter der extensiven Beschreibung zu verschwinden drohen, explizit auf deren tödliche Bedeutungsschwere verweist.

In einer Novelle des Naturkatastrophenspezialisten Heinrich von Kleist heißt es an solcher Stelle wundersamer Errettung einmal: "fast war es ihm, als sollte er sich freuen." Josef Haslinger steht das dafür notwendige metaphysische Weltbild nicht mehr wirklich zur Verfügung - der buddhistische Mönch, der das Ganze als Bestrafung für die Sünden des Tourismus ansieht, wirkt nur noch verschroben. Die Beschreibung der kleinen Egoismen der Überlebenden aber, die Szenen der Plünderung und die anfängliche Weigerung der AUA, den Opfern sofort zu helfen, schließlich auch noch die Entgegennahme der nachgeschickten Wertsachen und des beinahe gestohlenen Bargelds in einem Wiener Fundamt machen "Phi Phi Island" zu mehr als bloß einem "Bericht": Die darin enthaltene Anklage macht auch das Motto des Buches, "im gedenken an die opfer der flutwelle", höchst glaubwürdig.

Quelle: Falter.at

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